OFFICE IMPART

Ein gern gesehener Gast

„Ein gern gesehener Gast“
Hannah Sophie Dunkelberg / Simon Modersohn
13.06. – 11.07. 2020

eine Kooperation von åplus und OFFICE IMPART


ÜBER VERWANDLUNGEN
von Marlene A Schenk

Die Galerien OFFICE IMPART und Åplus präsentieren mit „Ein gern gesehener Gast“ eine gemeinschaftliche Ausstellung mit aktuellen Arbeiten der KünstlerInnen Hannah Sophie Dunkelberg und Simon Modersohn.
Die ausgestellten Werkgruppen scheinen auf den ersten Blick grundverschieden – Dunkelbergs Skulpturen und Reliefe schweben in einer zeitgenössischen Transparenz unübersehbar an der Wand und im Raum, während die vermeintlich unspektakulären Kulissen aus Modersohns Malerei sich durch ihre einsame Szenerie magisch mit einem Erinnerungswert aufzuladen scheint. So finden sich in den Darstellungen des Künstlers die banalen Szenen des Alltags wieder, die durch eine intensive Abarbeitung mit ihren Motiven auf der Leinwand eine geistige Erweiterung erfahren. Seine Malerei scheint damit zunächst eine Umkehr zur Kunst Dunkelbergs zu sein, indem Figürlichkeit und Wahrhaftigkeit neben Abstraktion und dekorativer Modellästhetik zu sehen sind.

 

Das Erstaunliche an der Betrachtung offenbar grundverschiedener Kunstwerke wie dieser ist es, ihre Gemeinsamkeiten aufzudecken. Denn trotz aller Gegensätzlichkeit verbindet Dunkelberg und Modersohn zunächst ihr Ausgangspunkt, nämlich einer der Zeichnung und der Malerei. Während Modersohn die dargestellten Objekte auf der Leinwand verhandelt, überträgt Dunkelberg sie von der Zeichnung ausgehend in neue Formen. Das Relief „Sprezzatura“ ist ein solches Beispiel, es bewegt sich zwischen Bildhauerei und Malerei. Das Wort umschreibt die Fähigkeit, auch anstrengende Leistungen leicht und mühelos erscheinen zu lassen. Das Werk bewegt sich im Kontext der Kunstproduktion und -betrachtung auf dem schmalen Grat zwischen federleichter Hülle und gesellschaftlicher Last. Die Silhouetten einer Kulturästhetik offenbaren sich erst in der Verkleidung des Banalen, das in dem Relief aus transparentem PETG-Kunststoff und mit zwei Plastiksektgläsern versehen daherkommt: Je mehr sinnliche Qualität verloren geht, desto stärker tritt das Zeichenhafte in den Vordergrund. Auf metaphorische Motive verweist auch Modersohns „Last but not least“: Eine Zigarette wurde gerade ausgedrückt; das leere Sektglas steht bereit. Die häusliche Umgebung wird dabei aus seiner Erinnerung hervorgerufen, es ist hierbei allerdings der intensive Malprozess selbst, die Wechselwirkung von Konstruktion und Tatsächlichkeit, der neue komplexe Lebenszusammenhänge und eine magische Wirkung des Ortes hervorbringen. Der pastelltürkise Hintergrund fließt übergangslos in einen erdnussbraunen Boden, der die bedrückend verlassene Szenerie leicht und transzendent wirken lässt.

Die Darstellung des Normalen, also des alltäglichen Objekts, eines Interieurs, einer bloßen Silhouette oder Schattenwurfs, werden für beide Künstler zur Quelle ihrer Praxis. „Fainted Chouch“ von Hannah Sophie Dunkelberg zeigt den Modellcharakter in ihren Arbeiten: gerade durch die Nicht-Nutzbarkeit entwickelt der Betrachter einen alternativen Zugang zu einem Objekt, das normalerweise genutzt würde. Wo der Mensch nicht anwesend ist, wird Licht als Quelle einer potentiellen Anwesenheit genutzt und zeichnet gleichzeitig eine Schwelle zur Abwesenheit ab.
„Kleines Theater“ von Modersohn nutzt das Licht des Backofens hier nicht nur, um auf eine menschliche Gegenwart hinzuweisen, gleichzeitig scheint das Ofenlicht zum Scheinwerfer zu werden, das Ofenrost zur Theaterbühne. Beide Künstler haben gemein, dass diese Spuren von Menschlichkeit in ihren Werken omnipräsent mitschwingen. Denn auch das Dargestellte ist immer Menschengemacht, egal ob Modell oder herkömmlicher Einrichtungsgegenstand. Hannah Sophie Dunkelberg und Simon Modersohn hinterfragen Nützlichkeit, traditionelles Handwerk, Mehrschichtigkeit und die Bedeutung dieser Objekte, ohne dass der Mensch anwesend sein muss – jedoch stets spürbar ist: in seiner Abwesenheit verwandeln beide Künstler den Alltagsgegenstand in eine Besonderheit, das Normale ins Magische.

Hannah Sophie Dunkelberg wurde 1987 in Bonn geboren, lebt und arbeitet in Berlin. Nachdem sie an der HfbK Hamburg bei Prof. Pia Stadtbäumer studierte, absolvierte Sie die Universität der Künste Berlin als Meisterschülerin in der Klasse von Prof. Manfred Pernice im Jahr 2019. Ihr bildhauerisches Werk ist stark von der Malerei geprägt. Die Bildsprache inszeniert bewusst Malerei und Fotografie im skulpturalen Bereich. Dunkelberg wurde mit dem Skulpturenpreis Anerkennung der Ursula-Hanke-Förster-Stiftung ausgezeichnet. Ihre Arbeiten wurden bereits in Berlin, Düsseldorf, Köln, Turin, London und New York gezeigt.

Simon Modersohn wurde 1991 in der Nähe von Bremen geboren, lebt und arbeitet in Hamburg. Bis 2019 studierte er Malerei bei Werner Büttner an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. In seiner Malerei setzt er sich meist mit ländlichen Milieus auseinander und rückt deren alltägliche Trivialitäten ins Zentrum. Es geht ihm um Erkenntnis durch Irritation. 2017 erhielt Modersohn das Hiscox Stipendium der Stadt Bad Gastein. Seine Arbeiten wurden bereits in Hamburg, Bonn, Wiesbaden, Chemnitz und Berlin gezeigt.

ABOUT TRANSFORMATIONS
– by Marlene A Schenk


The galleries OFFICE IMPART and Åplus present the joint exhibition „Ein gern gesehener Gast“ with new artworks by the artists Hannah Sophie Dunkelberg and Simon Modersohn.
At first glance, the groups of works on display seem fundamentally different – conspicuously transparent, Dunkelberg ́s sculptures and reliefs float on the wall and in space, while the seemingly unspectacular backdrops in Modersohn’s paintings appear to be magically charged with sentimental traits due to their desolate setting. The artist’s depictions reflect the banal scenes of everyday life that undergo a metaphysical expansion through further intensive processing of the motifs on canvas. Initially, his paintings seem to be the reversal of Dunkelberg’s art, in which figurativeness and truthfulness are seen alongside abstraction and decorative model aesthetics.

And yet, all the seemingly contrasting qualities that differentiate these groups of works, will not stop the eye to search in them for similarities. Dunkelberg’s and Modersohn’s artworks are similar already at their outset, which is always a drawing or a painting. While Modersohn negotiates the depicted objects on canvas, Dunkelberg, basing on a drawing, transfers them into ever new shapes. The relief “Sprezzatura’' is such an example, emerging from both sculpture and painting – its title implies the potential to make even the most strenuous achievements look easy and effortless.
The artwork takes place in the context of art production and reception of art, at the fine line between a fluffy shell and a social burden. The silhouettes of the cultural aesthetics are only revealed in the disguise of the banal, which manifests itself in the relief made of transparent PETG-synthetic material and equipped with two plastic glasses for champagne: the more sensual quality is lost, the more the symbolical will come to the fore. Modersohn’s painting “Last but not least” also refers to metaphorical motives: a cigarette has just been put out; the empty champagne glass stands by. The domestic environment is evoked from his memory, but it is the intensive painting process itself, the interrelation between construction and factuality that bring new, complex life circumstances and a magical effect of place. The pastel turquoise background transforms seamlessly into a peanut-brown floor, which gives the distressingly deserted scene a weightless and transcendent quality.

The depiction of the ordinary, of the everyday object, of an interior, of a mere silhouette or a casted shadow, is a wellspring for both artists. “Fainted Couch” by Hannah Sophie Dunkelberg demonstrates a characteristic of the model: the observer develops an alternative approach to an object that is commonly used. There where people are not present, light is used as a source of potential presence, simultaneously marking a threshold to the absence itself. In Modersohn’s “Kleines Theater” light is used not only to indicate a human presence, it also seems to be a spotlight, whereas the oven grate transforms into a theater stage.

The omnipresent human traces bind both artists in their practice. Whether it is a model or a conventional piece of furniture, the portrayed is always man-made. Hannah Sophie Dunkelberg and Simon Modersohn question the usefulness, the traditional craftsmanship, the multilayerdness and the meaning of these objects without humans having to be present – although their presence is still perceptible. In their absence, both artists transform everyday objects into something special, the ordinary into the magical.


Hannah Sophie Dunkelberg was born in Bonn in 1987 and currently lives and works in Berlin. After studying at the HfbK Hamburg under Prof. Pia Stadtbäumer, she graduated from Berlin University of the Arts as a master student in the class of Prof. Manfred Pernice in 2019. Her sculptural work is strongly influenced by painting. The imagery deliberately stages painting and photography in the sculptural field. Dunkelberg was awarded the Ursula-Hanke-Förster Foundation’s prize for sculptural works. Her artwork has already been displayed in Berlin, Düsseldorf, Cologne, Turin, London and New York.

Simon Modersohn was born in 1991 near Bremen and currently lives and works in Hamburg. Until 2019, he studied painting under Werner Büttner at the Hamburg University of Fine Arts. In his paintings he mostly deals with rural environments and focuses on their everyday trivialities. He is concerned with recognition through irritation. In 2017, Modersohn received the Hiscox scholarship from the city of Bad Gastein. His work has already been displayed in Hamburg, Bonn, Wiesbaden, Chemnitz and Berlin.

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Berlin

Die Wand #10 von EIGEN + ART Lab und Rheingau Founders. Immer cool! Details hier. 

↪︎ Wo: Rheingau Founders, Oranienstraße 185, 10999 Berlin, 2nd Courtyard, 5th Staircase, 4th Floor

Versteigerung – KvS Auctions Nr. 3 'Contemporary Art from Berlin Galleries’ findet in den Räumen der Julia Stoschek Collection statt. Neben Hannah Sophie Dunkelberg sind spannende Arbeiten mit dabei und wer noch vorher zur Vorbesichtigung gehen will, kann das noch täglich bis dahin von 12–18 Uhr machen! Alle Details hier.

↪︎ Wo: KvS Auctions in der Julia Stoschek Collection, Leipziger Straße 60 (Eingang über Jerusalemer Straße), 10117 Berlin

Sommerauktionen bei Grisebach. Am 9. und 10. Juli finden die Auktionen Photographie, Moderne Kunst, Zeitgenössiche Kunst und Ausgewählte Werke. Eine Vorbesichtigung ist in den kommenden Tagen bis zur Auktion möglich, Details hier.

↪︎ Wo: Grisebach, Fasanenstraße 25, 10719 Berlin

Eröffnung „Bonds“ von Julie Favreau in der Schwartzsche Villa. Details hier.

↪︎ Wo: Schwartzsche Villa, Grunewaldstraße 55, 12165 Berlin

Eröffnung "There’s No Such Thing as Solid Ground“ von Otobong Nkanga im Martin Gropius Bau. Nach ihrem einjährigen Aufenthalt als In House: Artist in Residence 2019 im Gropius Bau bietet die Einzelausstellung einen Einblick in zentrale Fragestellungen ihres Schaffens. Details hier.

↪︎ Wo: Gropius Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin

Eröffnung der Fundraising Ausstellung „Einmal alles – alles ein Mal“ bei Goeben Berlin mit Werken von Conny Maier, Dennis Buck, Eric Winkler, Jan Zöller u.v.m. Die Werke, die dort zu sehen sind, werden online versteigert und das Geld wird zu 90 % für die Weiterbetreibung von Goeben Berlin verwendet und zu 10 % für eine soziale Organisation.

↪︎ Wo: Goeben Berlin, Goebenstraße 22, 10783 Berlin

Last Day der Ausstellung „Ein gern gesehener Gast“ Hannah Sophie Dunkelberg & Simon Modersohn bei Åplus. OFFICE IMPART in Kooperation mit Åplus. Wer es noch nicht geschafft hat, der hat noch bis zum 11. Juli immer Mittwoch bis Samstag (12–18 Uhr) die Gelegenheit vorbeizukommen. Wir freuen uns! Details hier.

↪︎ Wo: Åplus, Stromstraße 38, 10551 Berlin

BerlinViews startet mit BerlinViews  - Tour. Auch diesen Samstag bietet BerlinViews wieder Touren durch die Berliner Galerien an. Jeden Samstag finden die Galerietouren in kleinen exklusiven Gruppen zu Fuss oder per Fahrrad mit Fabian Christoper Seedorf statt. Sehr sehr cool! Details und Anmeldung hier.

↪︎ https://berlinviews.com/#tours

Bremerhaven

Ausstellung „Paket beim Nachbarn“ von Simon Moderohn im Kunstverein Bremerhaven. Die Einzelauststellung ist bis 20. August zu sehen – finden wir super. Details hier.

↪︎ Wo: Kunstverein Bremerhaven, Karlsburg 4, 27568 Bremerhaven

Instagram

Quickly Asked #13 mit Julia Weissenberg bei OFFICE IMPART. Schaut mal hinein und seht, wen wir sonst schon in den Kurzinterviews vorgsetellt haben. 

↪︎ https://www.instagram.com/stories/highlights/17866325512875662/?hl=en

Köln

Ausstellung „Mapping the collection“ Gruppenausstellung im Museum Ludwig. Gleich­berech­ti­­gung, in­­di­­gene Sel­b­stbes­­tim­­mung, Frauen­rechte und Black Pow­er: Die Auss­tel­lung Map­ping the Col­lec­­tion wirft ei­­nen in­­ten­­siv­en Blick auf die 1960er und 1970er Jahre in den USA. Details hier.

↪︎ Wo: Museum Ludwig, Heinrich-Böll-Platz, 50667 Köln

Online Readings

Nextmuseum.io. Mit nextmuseum.io als institutionsübergreifender Plattform möchten wir das Kuratieren von Ausstellungen über die Schwarmintelligenz testen. Das Projekt soll neue Impulse und Perspektiven eröffnen. Die Ergebnisse werden anschließend in den teilnehmenden Museen präsentiert und debattiert. SUPER! 

↪︎ Nextmuseum.io

X Digital Art Work

App „Earth Speakr“ von Olafur Eliasson. Anlässlich der deutschen EU-Ratspräsidentschaft lassen Kinder verschiedenste Objekte, wie den Reichstag, Bäume, Wolken, Mülleimer … sprechen, in dem sie ihnen via 3D Animation ein Gesicht und eine Botschaft geben. „Earth Speakr“ will der Welt zeigen, was Kinder bewegt, und damit an das kollektive Gewissen appellieren.

↪︎ https://earthspeakr.art/en

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